
Stand-up-Paddling: der einfachste Einstieg
Unter den Wassersportarten ist SUP die zugänglichste, weil es kaum Vorkenntnisse braucht und das Material sich leicht transportieren lässt. Ein aufblasbares Board ist in wenigen Minuten startklar, das Gleichgewichtsgefühl entwickelt sich bei den meisten Einsteigern in der ersten Stunde. Besonders gut kann man in Sellin und den angrenzenden Boddengewässern SUP betreiben, weil die Wellenhöhe dort vorwiegend gering bleibt und sich ruhige Buchten zum Üben auftun. Die Selliner Seebrücke (394 Meter lang) eignet sich gut als Ziel für kürzere Touren entlang der Küste.
Ein Hinweis für Einsteiger: Auch wenn SUP sehr einfach aussieht, sollten Wind und Strömung nicht außer Acht gelassen werden. Auflandiger Wind drückt das Brett zurück ans Land, ablandiger kann ungeübte Paddler schnell sehr weit hinaustreiben. Deshalb gehören Leash (Brett am Fußgelenk festmachen) und Schwimmweste zur Grundausstattung, auch wenn die Bedingungen ganz ruhig aussehen. Wer nach dem SUP erst einmal Geschmack an der windbetriebenen Variante gefunden hat, sollte sich vor dem Kauf der notwendigen Ausrüstung erkundigen. Das Kitesurf Zubehör wie Trapez, Helm und Prallschutzweste unterscheidet sich doch erheblich von dem, was beim Paddeln benötigt wird.
Windsurfen: Klassiker mit Tiefgang
Windsurfen hat auf Rügen eine lange Tradition und nutzt die Vorzüge der Inselgeografie optimal. Bodden wie der Wieker Bodden oder das Gebiet um Suhrendorf herum bieten flaches, stehtiefes Wasser, das sich bestens zum Erlernen der Grundtechnik eignet. Suhrendorf ist mit rund zwölf Kilometern Länge eines der größten zusammenhängenden Flachwasser-Stehreviere in Deutschland. Für erfahrene Segler stehen die offene Ostseite und die Westküste mit Blick auf Hiddensee zur Verfügung, die schwierigere Bedingungen mit Wellen und mehr Strömung bieten.
Die Windverhältnisse sind je nach Spot und Windrichtung sehr unterschiedlich, sodass sich für jede Könnensstufe ein passendes Revier finden lässt. In Dranske im Nordwesten der Insel wird jährlich im Mai der Deutsche Windsurf Cup ausgetragen, was ebenfalls für die sportliche Bedeutung der Region spricht.
Wer Windsurfen lernen möchte, sollte sich eine Schule mit anerkannter Lizenzierung suchen. Der Verband Deutscher Windsurfing und Wassersportschulen (kurz VDWS) hat sich in Deutschland zum wichtigsten Qualitätsstandard für die Ausbildung in Wind- und Wassersportarten mit dem Schwerpunkt Windsurfen entwickelt.
Kitesurfen: höchste Ansprüche, größte Freiheit
Kitesurfen kombiniert die Geschwindigkeit des Windsurfens mit neuartigen Sprung- und Flugtechniken. Es stellt jedoch auch wesentlich höhere Anforderungen an Sicherheit und Material. Rügen hat sich mit seinen zahllosen Stehrevieren in den Boddengewässern und seinen gut erreichbaren Stränden zu einem der bekanntesten Kitesurfziele in Deutschland entwickelt. Die Spots Wiek im Nordwesten mit dem flachen Bodden zum Start und Neu Mukran im Osten mit seinen kräftigen, konstanten Ostwinden sind die bekanntesten.
Rosengarten im Südosten und Dranske im Nordwesten bieten sich je nach Windrichtung ebenfalls an. Die beste Saison für Kitesurfen auf Rügen ist von Mai bis September, wenn Lufttemperaturen und Windstabilität übereinstimmen. Einsteiger sollten den Sport ausschließlich unter qualifizierter Anleitung erlernen. Bei Fehlentscheidungen in der Strömung und im Wind können schnell gefährliche Situationen entstehen. Hier ist die VDWS-Lizenz als anerkannter Befähigungsnachweis ausreichend. Sie bestätigt sowohl theoretisches Wissen (Ausweichregeln, Naturschutzzonen etc.) als auch praktisches Können (Starten, Steuern, Landen des Kites). An einigen Spots ist sie Voraussetzung für die Ausleihe von Material.
Die Sicherheitsausrüstung spielt beim Kitesurfen eine größere Rolle als bei den meisten anderen Wassersportarten. Ein funktionierendes Quick-Release-System am Trapez ist unerlässlich, ebenso ein Helm, der sowohl bei Stürzen als auch bei Kollisionen schützt, und eine Prallschutzweste, die das Verletzungsrisiko beim Aufprall auf das Wasser bei großer Geschwindigkeit verringert. Wer viele verschiedene Spots bereist, sollte über entsprechend robustes, leicht transportierbares und schnell einsatzbereites Material verfügen, über stabile Transporttaschen für Kite und Board, über ein gut sitzendes Trapez für lange Sessions.
Ehe man in See sticht, sollte man vorab die Revierbedingungen abschätzen. Sandbänke, Strömungen, andere Wassersportler müssen ausgemacht werden, ein Sicherheitsabstand von mindestens doppelter Leinenlänge gilt als Faustregel gegenüber Personen, Kitesurfen bei ablandigem Wind ohne Begleitboot sollte nach Meinung erfahrener Kiter überhaupt nicht praktiziert werden. Bereits kleine Fehleinschätzungen führen nachts zum Abtreiben aufs offene Wasser.